Also wir wurden von verschiedenen Theatern in Holland angesprochen, denn leider ist es so, dass das Publikum, das normalerweise ins Theater geht immer älter und älter wird und das wollten sie ändern, indem sie neue Zielgruppen ansprechen. Somit haben sie vor etwa vier Jahren angefangen Bands zu überreden auch mal im Theater aufzutreten. Und bei uns waren sie sich einig, dass wir gut in so eine Atmosphäre passen würden. Als sie uns das vorgeschlagen haben, dachten wir uns, dass das eine gute Gelegenheit sein könnte mal eine andere Seite von Within Temptation zu zeigen, von der man in der Vergangenheit immer nur kleine Ausschnitte sehen konnten. Denn ein oder zwei Songs haben wir schonmal akustisch zum Besten gegeben, aber nie ein ganzes Konzert. Oder wie in diesem Fall, 75 Prozent akustisch und einen kleinen Teil volle Power. Aber sowas haben wir eben noch nie gemacht und es sollte auch etwas Besonderes sein, etwas das zur Band passt. Also haben wir eine Setlist kreiert mit Songs, von denen wir die meisten noch nie akustisch gespielt haben. Das bedeutet auf diesem Album gibt es kein „Ice Queen", kein „Restless" oder „Neverending Story", weil wir diese Songs schon akustisch live gespielt oder sogar aufgenommen haben. Wir wollten aber eine erfrischende Setlist mit neuen Arrangements, damit es einfach ein wenig anders klingt und man beim Hören eine andere Sicht auf Within Temptation bekommt.
Mochtest du die intime Atmosphäre der Akustikshow lieber, oder bevorzugst du doch die normalen bombastischen Shows mit jeder Menge Elektrizität und einem großen Publikum?
Magst du einige Songs nun vielleicht sogar besser in der Akustikversion?
Ja, mir gefällt „Frozen" viel besser, aber auch „Caged" hat mich mit den neuen Arrangements sehr überrascht. Ich war wirklich begeistert und habe mich in einige Songs wieder ganz neu verliebt. Man gewöhnt sich eben manchmal zu sehr dran und der Funke springt nicht mehr so ganz über wenn man sie ständig spielt. Und dann passiert sowas und es wird einem wieder bewusst wie gut ein Song ist und auch was er einem bedeutet.
Wird es auch eine DVD dazu geben, denn ihr hattet auch visuelle Besonderheiten wie Filmprojektionen?
Wir haben sofort ein großes Problem bemerkt, denn wir haben schon mit HD Kameras mitfilmen lassen. Aber wenn man Hologramme und visuelle Illusionen drauf haben will, kann man nicht soviel Licht benutzen. Denn sonst sieht es einfach verfälscht aus und man sieht, dass es nicht echt ist. Wir konnten es also nicht aufnehmen, weil es zu dunkel wurde und so wollten wir uns auch nicht unserem Publikum präsentieren. Besonders nach einer DVD wie „The Black Symphony", welche die größte Show darstellt, die wir je machten und die so viele tolle Effekte und sehr viel Licht beinhaltet. Da wären die Fans einfach enttäuscht wenn sie dann so etwas sehen würden. Also dachten wir uns wir bringen jetzt nur die CD raus und versuchen es später noch einmal so ein Konzert aufzunehmen, vielleicht mit einer anderen Technik. Also vielleicht nächstes Mal, denn wir werden diese Tour im nächsten Frühling wiederholen.
Ich habe gelesen, dass du den Großteil deiner Kindheit in exotischen Ländern wie Jemen oder Indonesien verbracht hast. Wie hast du Musik dort erlebt, da ja in solchen Jahren meist der erste Kontakt zur Musik entsteht? Und welchen Einfluss hatte dies auf dich und deine musikalische Laufbahn, falls überhaupt?
Ja, ich habe dort gelebt und besonders Indonesien hat meine Art zu tanzen beeinflusst. Es ist ähnlich wie auf Bali, dort gibt es Tänzer, die sich auf bestimmte Weise bewegen und dieser Stil ist meinem sehr ähnlich wenn ich mich auf der Bühne bewege. Die Leute finden das meist sehr merkwürdig und man sieht ja auch normalerweise niemanden, der so tanzt und entweder mag man es oder hasst es! (lacht) Jedenfalls ist das so ähnlich wie die Tänze auf Bali und meine Zeit in Indonesien hat mich dabei geprägt denke ich. Ich habe das nicht bewusst gemacht, es ist einfach ein Teil von mir, weil ich dort so lange gelebt habe. Aber musikalisch hat es mich eigentlich nicht besonders beeinflusst, allerdings schon auf persönlicher Ebene, die Person die ich heute bin. Ich bin ja viel herumgekommen und konnte verschiedene Kulturen kennen lernen und habe gelernt ihnen gegenüber offen zu sein. Ich liebe es auch zu reisen und habe eben viel mehr kennen gelernt als das kleine Umfeld in dem man normalerweise aufwächst. Es gibt so viel mehr, da draußen liegt eine große Welt. Was mich als Kind musikalisch mehr beeinflusst hat war folgende Geschichte: Ich habe einen sechs Jahre älteren Bruder und als er zehn und ich vier war, bekam er zum ersten Mal Taschengeld und ich wollte das natürlich ebenfalls. Also hab ich zu meinen Eltern gesagt, dass ich auch welches will wenn er welches bekommt. Ich hatte eine ziemlich große Klappe für eine Vierjährige. Jedenfalls sind meine Eltern sehr, sehr große Musikliebhaber, sie lieben Musik einfach. Und als meine Mutter ein kleines Mädchen war, sparte sie ihr Taschengeld um sich am Wochenende davon immer eine Platte zu kaufen und nun versuchte sie das auf mich zu übertragen. Also sagte sie: „OK, du kannst Taschengeld haben, aber du bekommst nicht soviel wie dein Bruder und du darfst es nur für Musik ausgeben!" Und so habe ich mir eben jedes Wochenende eine Kassette oder Platte gekauft, denn ich durfte ja nur das kaufen. So wurde ich also auf positive Weise von meiner Mutter zur Musik gedrängt. Sie hat sie mir bewusst gemacht.
„What Have You Done" ist für Guitar Hero verfügbar und in Fankreisen auch sehr beliebt. Hast du selbst schon einmal Guitar Hero gespielt oder sind solche Spiele nichts für dich?
Ich bin nicht so verrückt auf Spiele, aber die Jungs in der Band sind ganz wild drauf! Besonders unser Keyboarder, denn er kann keine Gitarre spielen und kommt sich immer vor wie der große Held. Aber die anderen mögen es auch sehr, weil sie so auch mal Sachen von anderen Bands ausprobieren können und sie die Songs einfach mögen. Es war ungemein lustig zu sehen, wie sie unseren Song spielten. Natürlich haben wir uns auch schon auf YouTube umgesehen, wo Leute ihre Filme hochgeladen haben, in denen sie den Song spielen und das war echt lustig zu sehen.
Welche Erinnerungen hast du an euren ersten Auftritt mit Within Temptation?
Nun ja... (lacht) Manche sind gut und manche sind wirklich schrecklich. Ich glaube es war der zweite Auftritt, den wir je hatten, da gab es eine Big Band, die unsere Supportband sein sollte. Das lag daran, dass das Konzert nicht von uns sondern von der Venue selbst veranstaltet wurde und die hatten keine Ahnung welche Art von Musik wir eigentlich machten. Die haben uns einfach gebucht, weil wir eine aufstrebende Band waren, auch wenn unser „Enter" Album zu dem Zeitpunkt noch nicht erschienen war. Wir hatten noch nicht viel Bühnenerfahrung, diese Big Band aber schon. Obwohl das alles ganz junge Sprösse so um die 14, 15 waren. Also haben wir uns gedacht, dass das ja kein Problem sein dürfte nach ihnen aufzutreten. Und dann fingen sie an und spielten wie die Götter! Das Publikum ist ausgerastet. Und dann bekamen wir Schiss, denn wir hatten so gut wie keine live Erfahrung und sollten nun als Headliner nach ihnen auftreten. Mein Gott, wir hatten richtig Angst auf die Bühne zu gehen. Es war so lustig. Die Leute fanden uns zwar auch toll, aber sie haben eben nicht ganz so auf uns reagiert wie auf unsere Supportband. Wir haben dadurch viel gelernt, zum Beispiel wie man richtig mit dem Publikum umgeht. Auch wenn die Musik der anderen Band ganz anders war, konnten wir etwas von ihnen lernen. Es hat Spaß gemacht und wir konnten hinterher natürlich alle drüber lachen.
Wie hast du eigentlich mit dem Singen angefangen?
Meine Eltern haben immer gesagt ich konnte singen bevor ich laufen konnte (lacht). Ich war schon immer ein musikbegeistertes Mädchen, auch wegen der Geschichte, die ich dir gerade über meine Mutter erzählt habe. Ich habe schon immer gesungen, das kam ganz natürlich. Schon sehr früh habe ich angefangen in Bands in der Schule zu spielen. Ich glaub ich war elf als ich damit anfing. Und mit 14 wollte ich unbedingt meine eigene Band gründen. Es gab bei uns in der Musikschule einen Kurs „Wie spiele ich in einer Band" oder sowas. Und ich wusste nunmal nicht wie ich das am besten anstellte, eine Band außerhalb der Schule zusammen zu stellen. Denn in der Schule habe ich ständig so Lieder gesungen wie „If I had a hammer..." (singt), weißt du, so wirklich altes und langweiliges Zeug. Ich wollte aber Leute finden, die so Musik mochten wie ich, aber ich hatte keine Ahnung wie man das anfängt. Und als ich dann den Aushang zu diesem Kurs sah, wusste ich: das ist es, das muss ich machen! Es war für mich ein sehr klarer Moment. Wenn ich das nicht tue, würde ich niemals in einer Band sein. Und ich wollte wirklich Musik machen, ich wollte singen, ich wollte performen. Besonders singen, denn es macht mich sehr glücklich. Also besuchte ich diesen Kurs, habe dabei ein paar Jungs kennen gelernt und sehr viel gelernt. Zunächst wollte ich aber nicht sagen, dass ich singen wollte, weil ich dachte das Rampenlicht sei nichts für mich. Also sagte ich nichts, obwohl ich so gerne gesungen hätte. Darum habe ich angefangen Keyboard zu spielen, nur konnte ich leider keine Noten lesen. Weil ich die Musik nicht vom Blatt lesen und spielen konnte, habe ich mir lauter Aufkleber aufs Keyboard geklebt, damit ich wusste welches Zeichen welche Taste bedeutet (lacht). Und so habe ich es durch mein eigenes System gelernt zu spielen. Aber ich war trotzdem nicht besonders gut und da fiel den anderen auf, dass noch ein Sänger fehlt und ob ich nicht Lust hätte zu singen. „Ja, Ok, probieren wir's", sagte ich ohne sie wissen zu lassen wie ängstlich ich eigentlich war. Dann habe ich ein paar Jungs getroffen, die den Kurs schon etwas länger machten als ich und die fragten mich irgendwann, ob ich nicht Lust hätte eine Band außerhalb der Musikschule zu gründen. Mit besagten Jungs habe ich dann etwa fünf Jahre in einer Blues Rock Band namens Kashiro gespielt. Sie waren alle viel älter als ich. Ich war 14 oder 15 und sie schon 21, 22. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich auf diese ganzen Metalbands aufmerksam wurde, oder auch Bands wie Alice In Chains, Nirvana oder die Red Hot Chili Peppers. Zuletzt auch Bands wie Journey und diese sehr symphonischen Bands. Mir eröffnete sich eine ganz neue Welt. Und dann traf ich auch schon Robert und wir gründeten Within Temptation.
Was ist für dich das Schönste daran ein Teil von Within Temptation zu sein?
Eigentlich ist es Songs zu schreiben und mich auszudrücken und mitzuteilen so wie ich es nie im täglichen Leben tun könnte. Es ist eine andere Seite von mir. Ich kann all meine Melancholie in meiner Musik, meinem Songwriting und meiner Performance verarbeiten. Es ist einfach eine andere Sharon. Als die Musik noch ein Hobby war, kannten viele diese Seite von mir noch nicht und waren jedesmal sehr überrascht wenn sie mich auf der Bühne sahen, denn ich bin eigentlich eine sehr gelassene Person. Aber auf der Bühne kommt da diese andere Seite zum Vorschein. Es ist wohl ein bisschen schockierend für meine Bekannten mich in Action zu sehen, weil ich sonst nicht so expressiv bin. Heutzutage fällt es mir allerdings wesentlich leichter mich zu öffnen und mich mitzuteilen, aber als ich jung war, war ich sehr verschlossen. Ich hatte Schwierigkeiten mich zu öffnen, vielleicht hatte ich auch zuviel Angst verletzt zu werden. Und die Musik hat mir wirklich dabei geholfen dies zu ändern und die Person zu werden, die ich heute bin.
Was denkst oder empfindest du, wenn ein Within Temptation Song im Radio läuft oder an öffentlichen Orten gespielt wird?
Meistens bin ich geschmeichelt wenn Leute mich erkennen, aber manchmal kann das auch unangenehm sein. Ich habe dann das Gefühl, dass über meinem Kopf ein großes Schild mit der Aufschrift „Hier ist sie, hier ist sie!" prangert (lacht). Deshalb kann ich Anonymität auch sehr schätzen, weil ich mich dann ganz normal bewegen und der Musik lauschen kann. Ich bin dann nicht Sharon von Within Temptation, sondern einfach ich und das ist natürlich immer schön.
Gibt es Pläne für ein neues reguläres Album von Within Temptation? Was kommt in nächster Zukunft auf euch zu?
Nun, wir arbeiten gerade an einem neuen Album, damit sind wir aktuell beschäftigt. Wir wussten zwar, dass dieses Live Album veröffentlicht wird, aber keiner konnte ahnen, dass die Plattenfirma so enthusiastisch an die Sache herangeht und dass wir soviel Promotion dafür machen würden. Wir hatten eigentlich ein Sabbatjahr geplant und wollten nur am neuen Album feilen. Doch nun bin ich mit lauter Promotion beschäftigt, das hätte ich nicht gedacht. Aber irgendwie verdient das Album das auch, denn es ist viel besser geworden als wir ursprünglich dachten.
Hast du nicht auch Pläne für ein paar Soloprojekte? Ich hab gesehen du gehst auf eine Art Solotour...
Ja, genau. In Deutschland habt ihr sowas auch, es heißt Night of the Proms. Ich werde dort auch Within Temptation Songs performen, sogar drei Stück. Und zwei andere sind Kollaborationen mit anderen Sängern. Ich freue mich drauf, besonders auf das Orchester, es wird eben anders als bei Within Temptation. Im Grunde treten mehrere Sänger und Sängerinnen von Bands auf und die singen dann zusammen mit einem großen Orchester, eben ohne ihre Band. Ich denke es wird spaßig, so kommt man auch mal raus und macht etwas anderes. Ich liebe es Songs zu schreiben, aber ich bin auch gerne auf der Bühne. Also ist es schön während unserer Schaffenspause kurzzeitig wieder auf der Bühne zu stehen.
Wichtige Frage: wann kommt ihr zurück nach Deutschland?
Ich hatte gehofft, dass die nächste Tour uns auch nach Deutschland führt, aber offensichtlich fanden die Theater in Deutschland nicht, dass Bands für ihre Bühnen geeignet sind. Zumindest diese Art von Musik. Die haben das Gesamtbild nicht richtig gesehen. Aber vielleicht überzeugt sie ja das Live Album vom Gegenteil, dann könnten wir in der Zukunft vielleicht doch auf deutschen Theaterbühnen spielen. Ansonsten nehmen wir einfach ein Schloss oder sowas, was soll's! (lacht)
Das war es auch schon, vielen Dank für deine Zeit!
Danke dir und bis zum nächsten Mal!
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